Bergenhusen.NABU.de Forschung Grünlandmanagement Projektdarstellung
Projektdarstellung
Projektdarstellung
Laufzeit der Vorphase: 1.10.2009 – 30.4.2011
E+E- Vorhaben „Synergien von Grünlandpflege und Klimaschutz: Praktische Erprobung von naturschutzkonformen Grünlandmanagementsystemen in Pilotregionen“
Ziele des Vorhabens
Extensiv genutztes Grünland besitzt eine überaus hohe Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt sowie den Gewässer-, Boden- und Klimaschutz in Deutschland. Es ist durch Nutzungsintensivierung und Umwandlung in Ackerland (häufig zum Anbau von Silomais), aber auch durch eine völlige Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung bedroht. Aus Naturschutzsicht ist der Verlust von extensivem Grünland besonders dramatisch, denn Wiesen und Weiden sind in der Regel artenreicher und damit für den Erhalt der biologischen Vielfalt wertvoller als Ackerland. Sie sind für viele Arten Sekundärhabitate und ersetzen Lebensräume, die in der Landschaft nicht mehr vorhanden sind. Darüber hinaus speichert Grünland auf Niedermoorböden große Mengen an CO2, die bei einer Umwandlung in Ackerland freigesetzt werden.
Zur Erhaltung extensiver Grünlandstandorte werden häufig Pflegemaßnahmen durchgeführt, die in vielen Fällen aus relativ spät im Jahr vorgenommenen Pflegeschnitten bestehen. Das so gewonnene Mähgut ist zumeist nicht mehr als Viehfutter nutzbar. Da alternative wirtschaftliche Verwertungswege fehlen, muss das Material abtransportiert und beseitigt bzw. kompostiert werden. Dadurch entstehen Kosten und Umweltbelastungen z.B. durch die Emission von Lachgas, Ammoniak und Methan. Vor diesem Hintergrund stellt die energetische Verwertung von Grünland eine dringend benötigte Alternative bzw. Ergänzung zur herkömmlichen Nutzung dar.
Das Ziel des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E) ist es, Wege zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung von Grünland in extensiver bzw. naturschutzorientierter Bewirtschaftung zu erproben. Dabei sollen prioritär die Möglichkeiten einer ökonomisch tragfähigen energetischen Verwertung von Biomasse aus dem Grünland aufgezeigt, diskutiert und umgesetzt werden. Dazu werden unter Berücksichtigung der stoffstromspezifischen, technischen, organisatorischen, rechtlichen, ökologischen und förderpolitischen (Erneuerbare-Energien-Gesetz, LandschaftspflegeBonus) Randbedingungen geeignete Verwertungswege dargestellt und in die bestehenden Nutzungskonzepte integriert. Insbesondere soll erprobt werden, ob die energetische Verwertung von Pflegeschnittgut langfristig zu einer Reduktion des finanziellen Aufwands für Pflegemaßnahmen und zu einer Umweltentlastung durch die Nutzung regenerativer Energien führen kann. Neben einer rein energetischen Verwertung der Aufwuchsbiomasse kann auch eine Kombination aus Beweidung, Mahd und energetischer Nutzung aus naturschutzfachlicher und ökonomischer Sicht zielführend sein. Darüber hinaus sollen die möglichen Synergie-Effekte zwischen Naturschutz und der Gewinnung von Bioenergie erprobt und soweit möglich nachvollziehbar dargelegt werden.
Methodisches Vorgehen
Ein Teil der an Grünlandmanagement haftenden Problemfelder sowie vorhandener Schutzgüter (tiefgründige Flachlandmähwiesen mit Schnittzeitpunkten zum Schutz der Wiesenbrüter, artenreiches Grünland auf trockenen, flachgründigen Standorten (Magerrasen, z.T. kalkreiche Halbtrockenrasen), Feuchtwiesen und Niedermoorflächen sowie verbrachte und verbuschte Grünlandstandorte) hat innerhalb Deutschlands eine mehr oder weniger ausgeprägte Regionalbindung. Demnach können Schutzkonzepte und Biomasse-Verwertungsmöglichkeiten nur anhand der regionalen Situation bewertet werden. Die Problemfelder müssen aber repräsentativ für die Situation in Bundesrepublik sein, so dass Projektergebnisse auch auf andere Regionen Deutschlands übertragbar bleiben.
Deswegen ist für die erste Phase des Projekts eine Kooperation mit sechs Pilotregionen vorgesehen (Link zur Seite „Projektgebiete“). Eine in jedem der sechs aufgelisteten Projektgebieten durchgeführte Vorstudie soll folgenden Sachverhalt prüfen:
· Potenziale der anfallenden Biomasse (qualitativ und quantitativ)
· Naturschutzrelevanz des Grünlandes und der Pflegemaßnahmen
· Gefährdungspotenzial der Grünlandstandorte (z.B. Verbuschung/ Brachfallen Intensivierung, Umbruch)
· Bereitschaft der Akteure, sich bei der technischen Umsetzung zu engagieren
· Abschätzung der Übertragbarkeit auf andere Regionen bzw. Bundesländer
Basierend auf den Erkenntnissen der Vorstudie wird eine engere Auswahl der Pilotregionen getroffen, in denen die Hauptphase des Vorhabens und die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen stattfinden werden.
Ein besonderes Augenmerk innerhalb der Voruntersuchung liegt auf einer Recherche zur Ausdehnung des artenreichen sowie des für Wiesenvögel bedeutsamen Grünlands und zum Umfang der Landschaftspflegeabfälle in Deutschland. Dabei soll insbesondere ermittelt und dargestellt werden, in welchem Umfang artenreiches Grünland in den verschiedenen Regionen Deutschlands existiert, wie diese Flächen charakterisiert und in der Praxis gegen das nicht artenreiche Grünland abgegrenzt werden und wie ggf. eine Begutachtung vor Ort oder die Erstellung eines Inventars artenreichen Grünlands erfolgen kann.
In der Hauptphase des Projekts ist dann eine praktische Erprobung über die Implementierung eines Grünlandmanagementsystems in zwei bis drei der in der Voruntersuchung analysierten und ausgewählten Regionen vorgesehen. Die unter dem Primat des Naturschutzes erzeugten Schnitte sollen in Biogasanlagen oder anderen energetischen Anlagen verwertetet werden. Zu diesem Zweck werden Verwertungsanlagen für Biomasse aus Pflegeschnitten aufgebaut bzw. umgerüstet und mit den Pflegeabfällen beschickt. Ggf. müssen logistische Konzepte für Abtransport, Lagerung und Trocknung der Substrate erarbeitet werden. Gleichzeitig werden Pläne für eine aus naturschutzfachlicher Sicht optimale Pflege der Grünlandstandorte erarbeitet (regionale Handbücher zur Grünlandpflege). Unter der Berücksichtigung logistischer (Bau von Spezialgeräten zur Bergung des Mähguts, Transportentfernungen etc.) und finanzieller Aspekte sollen für die Beispielregionen optimale Lösungen skizziert werden.
Auf der Basis der Ergebnisse sollen im Sinne eines best-practice-Ansatzes Handlungsanleitungen erarbeitet werden.
Wissenschaftliche Begleituntersuchungen während der Hauptphase
In der wissenschaftlichen Begleituntersuchung sollen die Auswirkungen der Pflegemaßnahmen auf die Schutzgüter (beispielhaft für Vögel und Pflanzengesellschaften) und die Kostenbilanz ermittelt werden. Dazu wird ein Probeflächennetz in den Projektgebieten zu entwickeln sein. In einem weiteren Projektschritt soll durch Recherchen ermittelt werden, wie groß das Potenzial aus der Aufwuchsbiomasse tatsächlich ist und wie viel Einfluss die energetische Verwertung zur Entlastung der Flächenkonkurrenz auf die landwirtschaftlich bewirtschaftete Fläche hat. Weiterhin soll geklärt werden, welche Möglichkeiten zur energetischen Verwertung sich daraus ergeben und wie hoch der Beitrag zur Reduktion klimaschädlicher Gasemissionen sein könnte.
Ferner sollen alle Kosten und Erträge, die durch die Pflege des Grünlands, den Transport des Materials und den Betrieb der Verwertungsanlage entstehen, genau festgehalten und zu einer betriebswirtschaftlichen Bilanz zusammengetragen werden.

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