Bergenhusen.NABU.de Forschung Winter- & Rastvögel

Winter- und Rastvögel

20% der Weltpopulation im ETS-Gebiet

Flusslandschaft bei Zwergschwänen immer beliebter

Zwergschwäne

Am 3. März 2008 führte das Michael-Otto-Institut im NABU zusammen mit der Naturschutzstation Eider-Treene-Sorge und Westküste eine Synchronzählung aller rastenden Zwergschwäne in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge durch. Dabei wurde eine neue Rekordzahl von 4216 Vögeln festgestellt. "Das sind über 20% des Weltbestandes der westsibirischen Unterart, die sich im Februar und März in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge aufhalten. Die Region ist damit das wichtigste Rastgebiet für den Zwergschwan in ganz Deutschland," erläuterte Heike Jeromin, Zwergschwanexpertin im Michael-Otto-Institut im NABU.

Die Zählungen werden seit 1980 durchgeführt. Damals rasteten lediglich 225 Zwergschwäne in der Region. Seitdem hat die Bedeutung der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge stetig zugenommen, während andere Gebiete wie die Unterelbe an Attraktivität verloren haben. Die westsibirische Unterart des Zwergschwans ist eine hochbedrohte Vogelart, von der es weltweit nur noch 20.000 Individuen gibt. Seit 1995 hat der Bestand um 35-40% abgenommen. Die Art wird daher auf dem Anhang 1 der EU-Vogelschutzrichtlinie geführt. Teile der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge wurden für sie als NATURA 2000-Gebiet ausgewiesen.

Die Region ist eine wichtige "Tankstelle" für den Zwergschwan auf dem Weg von seinen Winterquartieren in Großbritannien und den Niederlanden in sein Brutgebiet in Sibirien. Die Kombination aus störungsarmen Grünlandflächen mit energiereichen Gräsern und geschützten, ruhigen Schlafgewässern macht die Niederung so attraktiv. Diese Kombination ist in Deutschland selten geworden. "Obwohl sie auf privaten Grünlandflächen grasen, ist der Zwergschwan eine relativ konfliktfreie Art. Sie verlassen unsere Region Ende März schon wieder, bevor ihre Anwesenheit zu großen Schäden auf den Wiesen führt," berichtet NABU-Zwergschwanexpertin Heike Jeromin.

Zwergschwäne

Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge einer der bedeutendsten Rastplätze in Deutschland

Zwergschwanflug

Zwergschwäne im Meggerkoog

Die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge ist eine ländliche Region mitten in Schleswig-Holstein. Sie ist eines der bedeutendsten Rastgebiete für Zwergschwäne in Deutschland. Bei einer Synchronzählung Anfang März 2007 wurden 3.200 Exemplare dieser europaweit bedrohten Vogelart gezählt. Das entspricht einem Anteil von etwa 14% der Weltpopulation. Die Flusslandschaft ist wegen der günstigen Kombination aus Äsungsflächen auf dem Grünland und Schlafplätzen auf Gewässern so Attraktiv für den Zwergschwan.

Tipp: Besonders gut können sie Schwäne im Meggerkoog zwischen Börm und Meggerdorf und an der Treene zwischen Wohlde und Norderstapel (Siehe Karte) beobachten.

Weitere Infos:
Die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge ist eine ländliche Region mitten in Schleswig-Holstein. Sie umfasst die weiträumigen, teilweise unter dem Meeresspiegel gelegenen Grünlandniederungen der drei namengebenden Flüsse Eider, Treene und Sorge, in die Hoch- und Niedermoore mit großflächigen Röhrichten und Feuchtwiesen sowie Flachseen eingestreut sind. Mit Knicks und Laubwäldern bestandene Altmoränen (Holme) ragen aus ihnen wie Inseln heraus. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese ehemals vom Wasser geprägte Landschaft durch Entwässerungsmaßnahmen stark verändert und landwirtschaftlich kultiviert. Heute zählt die Region zu den letzten, weitgehend unzerschnittenen Niederungsgebieten Deutschlands. Durch ihre reiche Naturausstattung und biologische Vielfalt gehört sie zu den herausragenden Landschaften Schleswig-Holsteins.

Im März bietet die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge dem Naturliebhaber ein besonderes Schauspiel. Nordische Zwergschwäne`Cygnus columbianus bewickii´ rasten in großen Trupps mehrere Wochen von Mitte Februar bis Anfang April auf den feuchten Grünlandflächen der Eider-Treene-Sorge-Niederung. Die Vögel kommen aus ihren Winterquartieren in den Niederlanden, Südengland, Ostirland sowie der Camargue und sind auf dem Weg in ihre Brutgebiete, die Arktis und Nordrussland.
Die Attraktivität der Flusslandschaft für rastende Zwergschwäne basiert auf der hier vorhandenen Kombination aus Äsungsflächen und Schlafplätzen. Die Vögel nehmen auf den landwirtschaftlich genutzten Grünlandflächen Gräser und Klee zu sich und können so die für den anstrengenden schnellen Rückflug in ihre Brutgebiete nötigen Energiereserven aufbauen. Auf den nahegelegenen Gewässern, wie der Alten Sorge verbringen sie geschützt die Nacht.

Zwergschwäne rasten erst seit Ende der 1970er Jahren in größerer Anzahl in der Eider-Treene-Sorge-Niederung. Dabei nahm ihr Bestand kontinuierlich zu. In den 1980er Jahren wurden bei Kartierungen wenige Hundert Exemplare gezählt, Anfang der 1990er Jahre waren es schon über Tausend und im Jahr 2005 wurde mit fast
3.300 rastender Zwergschwäne eine neue Höchstzahl festgestellt. Die zunehmenden
Rastzahlen in der Niederung sind dabei nicht auf einen Bestandsanstieg der Art zurückzuführen. Von 1984 bis 1995 nahm zwar die Gesamtpopulation von ca. 16.500 auf 29.000 Individuen zu, derzeit ist sie aber schon wieder rückläufig und umfasst nur noch etwa 23.000 Vögel. Die Zunahme ihres Bestandes in der Eider-Treene-Sorge-Niederung ist daher zumindest seit 1995 auf Umlagerungen zwischen den einzelnen Rastgebieten in Deutschland zurückzuführen. In der Region legt derzeit bis zu 14% des Weltbestandes dieser Vogelart einen Zwischenstopp ein. Die Hauptrastgebiete wie z.B. der Meggerkoog oder der Börmer Koog sind daher von europaweiter Bedeutung für diese Vogelart und als EU-Vogelschutzgebiet gemeldet. Naturschutz und Landwirtschaft arbeiten hier eng zusammen. Da die großen Trupps die Region verlassen haben, bevor das Graswachstum wieder einsetzt, bietet die Art nur geringes Konfliktpotential.

In deutlich geringen Anzahlen hält sich zur gleichen Zeit eine weitere nordische Schwanenart in der Eider-Treene-Sorge-Niederung auf, der Singschwan Cygnus cygnus. Die Vögel sind deutlich größer als der Zwergschwan und erreichen hier höchstens Anzahlen von 300-400 Individuen.

Zwerg- und Singschwäne sind sehr attraktive Vogelarten. Schon jetzt wird die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge von einigen, interessierten Vogelbeobachtern während ihrer Rastzeit aufgesucht. Neben äsenden Vögeln sind auf dem Zug häufig auch schon balzende Individuen zu sehen. Des Weiteren halten sich zu diesem Zeitpunkt noch Familienverbände, kenntlich an den graugefärbten Jungvögeln, in den Trupps auf. Während der Dämmerung fliegen die Vögel zu ihren Schlafplätzen, überstaute Grünlandflächen oder offene Gewässern, wo sie vor Feinden sicher sind. Der Schlafplatzeinflug ist ein sehens- und hörenswertes Ereignis. Kleine Trupps der imposanten Vögel kommen bei Dämmerung eingeflogen
und werden lautstark trompetend von ihren schon anwesenden Kollegen begrüßt.
Ein Konzert der besonderen Art beginnt und es endet erst in der Dunkelheit

Die Eider-Treene-Sorge-Niederung bietet dem interessierten Naturliebhaber ideale Voraussetzungen zur Beobachtung der nordischen Schwäne. Der PKW fungiert als Tarnzelt und man kann von ihm aus die Vögel bei ihren natürlichen Verhaltensweisen beobachten, ohne sie zu stören.

Zwergschwanrastbestände

in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge

Tabelle Zwergschwan

Klicken Sie auf die Grafik

Hier können Sie eine PDF-Datei runterladen mit den Zwergschwanrastbeständen von 1980 bis 2004!
Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass Daten und Grafiken nur nach vorheriger Rücksprache und mit Quellenbenennung zu verwenden sind.

Winter- und Rastvögel

Projekte & Ergebnisse

grosser Brachvogel

Großer Brachvogel

Die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge und die Halbinsel Eiderstedt besitzen nicht nur während der Brutzeit eine hohe Bedeutung für den Vogelschutz. Auch durchziehende und rastende Vögel, sowie Wintergäste aus dem hohen Norden lieben diese Gebiete. Goldregenpfeifer und Kiebitz rasten im Oktober in großen Zahlen in beiden Gebieten. Mäusebussard und Rauhfussbussard nutzen das große Angebot an Wühlmäusen in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge. Sibirische Zwergschwäne machen auf ihrem Weg nach Norden im Februar und März zwischen Eider, Treene und Sorge Rast.

Die Erfassung dieser allesamt gefährdeten Vogelarten ist auch eine Aufgabe des Michael-Otto-Instituts. Die Untersuchungen werden vom Land Schleswig-Holstein finanziert.

Ansprechpartnerin: Heike Jeromin

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